Eine skalpierte Frau in der U-Bahn, ein totes Kind im Müll, zerstückelte Leichenteile im Plastiksack … Wer sich täglich mit Mord und Totschlag auseinandersetzt, der darf nicht zart besaitet sein. Gefragt sind Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und breitgestreute Kenntnisse von Juristik bis Krisenintervention. Was im Kino meist als schneller Thriller abläuft, erfordert in der Realität Durchsetzungsvermögen und harte Arbeit. Oft sind tage-, wochen-, ja sogar jahrelange Ermittlungen notwendig, bis ein Täter überführt werden kann. In den vorgestellten Fällen geht es um Kaltblütigkeit – wenn jemand zwischen theoretischer und praktischer Führerscheinprüfung mal eben einen Doppelmord begeht – und falsch verstandene Vaterliebe, um verräterische Internetrecherchen nach passenden Tötungsmethoden und falsche Alibis. Richard Thiess gibt Einblick in die schwierige Arbeit von Mordermittlern, er bezieht aber auch psychologische Aspekte ein: Wie fühlt sich ein Ermittler, wenn er den Täter endlich überführt hat, wie bringt man Eltern bei, dass ihre Tochter bestialisch getötet worden ist? Mordkommission: Die Wirklichkeit stellt jeden Krimi in den Schatten.

Richard Thiess, geboren 1952, arbeitete als Kaufhausdetektiv, bevor er sich bei der Polizei bewarb und ein Studium für den gehobenen Kriminaldienst absolvierte. Als Spezialist für Jugend- und Bandenkriminalität reiste er im Auftrag des bayerischen Innenministeriums nach Moskau und Lettland. Vor seinem Wechsel in die Mordkommission 2001 war er zuletzt für Eigentumsdelikte zuständig. Als Erster Kriminalhauptkommissar leitet er die Mordkommission V im Münchner Präsidium und ist stellvertretender Leiter des Mordkommissariats. Daneben gibt er Fernlehrgänge zur Detektivausbildung.

Dieses Buch habe ich auf ” Empfehlung” von amazon Rezensionen gekauft, ( bei 21 Rezis 4,5 Sterne Durchschnitt) und ich muß sagen , die Leute haben Recht. Das Buch ist gut geschrieben und vermittelt einen sehr realistischen Eindruck über Tatortarbeit in Deutschland. Die Fälle sind gut gewählt und der lockere Erzählstil täuscht zwar nicht über den ergreifenden Alltag hinweg, macht das Buch für den Leser aber spannend. Am Interessantesten fand ich , dass der Autor seine Gefühle mit einbringt, man kann sich ja schlecht vorstellen, was eine Wochenbereitschaft bedeutet , bei der es von einer auf die andere Sekunde um Leben , Tod und Mord geht. Meine Hochachtung vor diesem Beruf !

Für jeden, den die Arbeit der Mordkomission interessiert sehr zu empfehlen. Für Leser die Blut sehen wollen – besser nicht.